Karneval der Rollenspielblogs Februar 2019 – Flieger und Piloten – Faszination Luftschiff

Der Karneval der Rollenspielblogs ist eine monatliche Aufforderung, sich zu einem rollenspiel-relevanten Thema zu äußern, jeweils ausgerichtet von einem Blog, der das Thema vorgibt und die Arbeit des Zusammentragens übernimmt.

Im Monat Februar 2019 wurde der Karneval ausgerichtet von Greifenklaue, und zwar zum Thema:

Flieger und Piloten 

Wenn ich überlege, welche Luftfahrzeuge mich besonders ansprechen, dann kann ich das sehr schnell beantworten: Luftschiffe!

Darum ist es mir auch bislang bei praktisch jedem Rollenspiel, für das ich geschrieben habe, gelungen, wenigstens ein Abenteuer über diese einzigartigen Gefährte am Himmel zu verfassen.

Doch woher kommt sie, diese …

Faszination Luftschiff

Wie kein anderes Luftfahrzeug erwecken die riesigen Fluggeräte die Phantasie der Menschen, und wenn man das Glück hat, an einem der Orte zu leben, wo sie noch heute fliegen, so kann man sicher sein, dass die Leute auf der Straße stehen bleiben und fasziniert nach oben blicken, wenn das Dröhnen ihrer Motoren am Himmel ertönt.

Anders als dahinrasende Flugzeuge gleiten Zeppeline mit einer beruhigenden Langsamkeit dahin, nach der sich Menschen gerade heute sehnen. Sie verbinden Luftschiffe mit einer „guten alten Zeit“, in der man noch nicht so gehetzt war wie heute.

Ein Gigant wie die Hindenburg, der sich in den Himmel erhebt, um nach Amerika zu fliegen, löst Träume aus, die mit den engen Konservendosen moderner Airliner wenig zu tun haben. Es ist das Bild einer vielleicht nicht zeitgemäßen oder wirtschaftlichen, aber faszinierenden Mischung aus Ozeanriese und Luxushotel, die in 60 Stunden einen Ozean überwindet.

Dieses Bild hat unser Denken bis heute geprägt, wenn es auch ganz andere, viel schlimmere Einsatzmöglichkeiten für Luftschiffe gab.

Doch an dieser romantischen Verklärung dürfte es auch liegen, dass ein Autor einen ganz einfachen Weg gehen kann, um uns zu zeigen, dass wir uns in einer anderen (besseren?) Welt befinden. In vielen, wenn nicht den meisten Fällen bewegen sich hier Luftschiffe über den Himmel, docken am Empire State Building an oder laden zu luxuriösen Weltreisen am Himmel ein.

Die meisten Menschen denken, die Geschichte der Luftschifffahrt endete mit der Explosion des Zeppelins Hindenburg über Lakehurst 1937, doch tatsächlich werden Luftschiffe verschiedenster Bauart bis heute eingesetzt, wenn sie auch schon lange nicht mehr die Bedeutung besitzen, die sie in den ersten vierzig Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts hatten.

Die große Zeit der Luftschiffe

In einer Zeit, in der Flugzeuge nur aus Holzlatten bestanden, über die man Segeltuch gespannt hatte, war ein Luftschiff mit seinem gewaltigen Tragkörper natürlich ein besonders ehrfurchtgebietender Anblick. Vor allem aber hatten Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die Luftschiffe Reichweiten und Flugeigenschaften aufzuweisen, mit denen sich kein anderes Fluggerät  messen konnte.

Mit Beginn des ersten Weltkriegs wurden sie deshalb auch für militärische Zwecke eingesetzt, flogen über Land und Meer Aufklärungseinsätze und wurden auch für erste Bomberflüge eingesetzt (und das nicht nur von den Deutschen, wie viele Leute heute annehmen).

Nach dem Großen Krieg war jedoch klar, dass sich ein militärisches Luftschiff im Vergleich mit den sich rasant entwickelnden Flugzeugen höchstens als Aufklärer eignete.

Und dennoch begann eine neue Ära des Luftschiffbaus. Es gab verschiedene Investoren, die (fälschlicherweise) dachten, sie könnten mit den silbernen Zigarren einen internationalen Passagierverkehr schneller aufbauen als mit den vergleichsweise kleinen Flugzeugen.

Leider wurde dabei die Wetteranfälligkeit der Luftschiffe immer deutlicher. So manches Schiff wurde von Stürmen gebeutelt zur Landung gezwungen oder ging in Gewittern verloren. Viele dieser Unfälle führten zum Totalverlust der anfälligen Giganten.

Auch holte die Technik weiterhin schnell auf, so dass den Luftschiffen irgendwann nur noch die Hoffnung auf den Interkontinental-Verkehr blieb. Die Hindenburg war der Höhepunkt dieser Entwicklung, aber auch ihr Ende, bevor die Flugzeuge endgültig die Herrschaft übernahmen.

Vor allem die Amerikaner hielten aber auch an der Idee des Militärluftschiffs fest. Sie bauten mit der Akron und der Macon in den frühen dreißiger Jahren sogar zwei „Fliegende Flugzeugträger“, die vier bzw. fünf Doppeldecker in Einsatz bringen konnten, um die eigene Reichweite zu erhöhen und sich zu verteidigen.
Bis weit in die Achtziger Jahre hinein wurden militärische Luftschiffe als Aufklärer, U-Boot-Jäger und sogar Transporter eingesetzt, wenn sie auch nie die Bedeutung anderer Waffensysteme erlangten.

Irgendwann waren Luftschiffe allerdings nur noch als fliegende Werbeträger unterwegs, die die Begeisterung der Zuschauer nutzten, um Firmennamen oder Logos besonders werbewirksam zu präsentieren.

Luftschiffe in Deutschland

Aktuell gibt es in Deutschland noch vier zugelassene Luftschiffe:

Wer also den besonderen Touch eines Luftschiff-Fluges erleben möchte, muss sich an einen dieser Orte begeben und die normalerweise horrenden Preise für einen Rundflug ausgeben (normalerweise kaum unter 300 €).

Neue Luftschiff-Projekte

Immer wieder tauchen Berichte auf, in denen kolportiert wird, dass eine neue Firma dabei ist, die große Zeit der Luftschiffe wieder aufleben zu lassen. Und sobald dies passiert, toben die Fans in aller Welt, die Zeitungen überschlagen sich, und die Fernsehteams bemühen sich darum, möglichst beeindruckende Bilder zu bekommen.

So geschah es auch 1996, als die Firma CargoLifter ankündigte, sie wolle mit dem CL160 ein großes Lasttransportluftschiff bauen, das bis zu 160 Tonnen Ladung tragen sollte! Im Mai 2000 ging die Firma an die Börse und sammelte in den nächsten Jahren bis zu 70.000 Aktionäre um sich, die von dem Projekt begeistert waren. Für die großen Bilder sorgte die gigantische Werfthalle, die in der brandenburgischen Gemeinde Krausnick entstand und noch heute mit einer Größe von 360×150×107m die größte freitragende Halle der Welt ist.

Leider wurde in den Folgejahren immer deutlicher, dass die hochtrabenden Pläne der Firma sich in Wirklichkeit nicht realisieren ließen. Das geplante Schiff wäre stark vom Wetter abhängig gewesen, da es für einen Instrumentenflug von seinen geplanten Flugdaten her nicht geeignet war, und auch die geplante Zuladung würde sich nicht erreichen lassen. Als das Projekt sich zudem mehr und mehr verzögerte, versiegten irgendwann die Geldquellen, und CargoLifter meldete im Mai 2002 Insolvenz an. Eine Nachfolgefirma baut heute Ballonkräne und plant weiterhin Luftschiffe, doch niemand rechnet noch ernsthaft damit, dass diese Pläne irgendwann wahr werden.

Wer sich übrigens die Halle ansehen möchte, der kann den Schwimmpark Tropical Islands besuchen, der in der riesigen Halle aufgebaut wurde.

Nun möchte man denken, dass irgendwann der Traum ausgeträumt sein muss, doch als vor einigen Jahren die Firma Aeros ihr Projekt Dragon Dream vorstellte, hofften wieder alle auf ein gutes Ende. 2013 unternahm sie einen ersten Probeflug, doch 2015 wurde der Prototyp durch den Einsturz seines Hangars beschädigt.
Wird die Dragon Dream jemals wieder fliegen? Und wenn ja, wird sie eine Renaissance der Luftschiffe einleiten?

Ich zumindest kann es kaum abwarten, bis wieder öfter ein silbriger Tragekörper langsam über mein Haus hinweg gleitet.


Weiter geht’s übrigens morgen in Teil 2 unter dem Titel Luftschiff-Geschichten.

Alle Beiträge zum Karneval der Rollenspielblogs Februar 2019 findet ihr übrigens
bei Greifenklaue und im Forum von RSP-Blogs.de.

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