Karneval der Rollenspielblogs Februar 2019 – Flieger und Piloten – Luftschiff-Geschichten

Der Karneval der Rollenspielblogs ist eine monatliche Aufforderung, sich zu einem rollenspiel-relevanten Thema zu äußern, jeweils ausgerichtet von einem Blog, der das Thema vorgibt und die Arbeit des Zusammentragens übernimmt.

Im Monat Februar 2019 wurde der Karneval ausgerichtet von Greifenklaue, und zwar zum Thema:

Flieger und Piloten 

In diesem kleinen Nachtrag zu meinem Artikel Faszination Luftschiff von gestern möchte ich über die Leistungen und Schicksale bekannter und vielleicht nicht so bekannter Luftschiffe berichten, die man gut für eigene Abenteuer nutzen kann.
Von daher, setzt euch hin, der Sandfox erzählt heute ein paar …

Luftschiff-Geschichten

Über das Ende des Luftschiffs Dixmude über dem Mittelmeer habe ich schon bei der RPG-Blog-O-Quest #030 – Abenteuer (März 2018) einige Worte verloren; so heißt es zwar offiziell, das Luftschiff sei von einem Blitz getroffen worden, doch da niemand von der Besatzung überlebte, konnte der wahre Grund für den Absturz des Schiffes nie geklärt werden.

Ich fand immer, dass dies der perfekte Aufhänger für ein Abenteuer sein könnte. Was hat sich wohl an Bord befunden, dass die Besatzung lieber ihr ganzes Schiff aufgab und in ein Gewitter steuerte, als es zu retten?

L 59 – Das Afrika-Luftschiff

L 59 (Baunummer LZ 104) startete am 3. November 1917 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Ludwig Bockholt vom Luftschiffhafen Berlin-Staaken nach Deutsch-Ost-Afrika. Die Aufgabe des Schiffes war es nicht nur, die dort kämpfenden Schutztruppen unter General Paul von Lettow-Vorbeck mit Versorgungsgütern zu unterstützen, sondern das ganze Luftschiff war so konstruiert worden, dass es demontiert werden konnte, um seine Bauteile für die Zwecke der Schutztruppe zu nutzen. Eine Rückkehr der Besatzung war nicht geplant.

Nach einer Zwischenlandung in Jamboli im Süden Bulgariens startete L 59 am 21. November 1917 in Richtung Afrika, überquerte dabei das Osmanische Reich und Kreta sowie Teile von Ägypten.

Über dem Sudan, als schon über die Hälfte der Strecke geschafft war, erhielt die Besatzung jedoch aus Berlin die Order, wieder zurückzukehren, da Lettow-Vorbeck geschlagen sei (was jedoch nicht der Wahrheit entsprach). Nach vier Tagen Flugzeit landete L 59 wieder in Jamboli, nach einer Nonstop-Flugstrecke von annähernd 7.000 Kilometern.

Im weiteren Kriegsverlauf ging L59 im April 1918 bei einem Angriff auf Malta verloren.

Selbst wenn man keine Geschichte um deutsche Soldaten im ersten Weltkrieg durchführen möchte, kann man aus den verschiedenen Berichten, die man auch online über dieses frühe Meisterstück der Luftfahrt finden kann, sicher ein spannendes Abenteuer über eine so außergewöhnliche Reise zusammenbauen.

LZ 129 – Die Hindenburg

Als größtes jemals gebautes Luftschiff sollte die Hindenburg nach dem Wunsch des Nazi-Regimes die Nachricht von der absoluten Führungsrolle Deutschlands im Bereich der Technologie in alle Welt tragen.
Das Schiff war gebaut worden, um von Frankfurt am Main nach Rio de Janeiro oder nach Lakehurst in der Nähe von New York zu fliegen. Es nahm seinen Passagierdienst am 6. Mai 1936 mit einem Start in Richtung Brasilien auf. Bis zu seinem unrühmlichen Ende unternahm es insgesamt zehn erfolgreiche Flüge nach Lakehurst und weitere sieben nach Rio de Janeiro.

Das Schiff war vergleichsweise luxuriös ausgestattet (wenn man von den engen Schlafkabinen im Inneren des Rumpfes absieht) und bot sogar einen Rauchersalon (ein Novum auf einem Zeppelin, dessen Tragkörper mit dem leichtentzündlichen Wasserstoff gefüllt war). Man war sich aber sicher, die Technik im Griff zu haben.

Doch am 6. Mai 1937 geschah über Lakehurst trotzdem die Katastrophe: die Hindenburg fing beim Landemanöver Feuer und verbrannte in weniger als einer Minute vollständig. 13 Passagiere und 22 Crewmitglieder starben in den Flammen oder beim Sprung aus dem abstürzenden Wrack, ein Mitglied der Bodenmannschaft wurde von den Trümmern erschlagen.

Die Katastrophe löste ein Trauma aus, welches faktisch das Ende der Passagier-Luftschifffahrt bedeutete. Die letzten verbleibenden Zeppeline LZ 127 und LZ 130 wurden bei Kriegsbeginn abgewrackt, und es sollte sechzig Jahre dauern, bis ein neues Starrluftschiff, der Zeppelin NT, entstand.

Warum ist die Hindenburg explodiert? Die gängige Meinung heute ist, dass der Lack, mit dem die Außenhülle des Schiffs gestrichen war, sich durch eine statische Entladung entzündete und binnen Sekunden dafür sorgte, dass die Wasserstofftanks im Innern zu einem gleißenden Feuerball wurden.

Doch vielleicht gibt es ja auch eine andere Erklärung, zumindest eine, die ausreicht, um daraus ein spannendes Rollenspielabenteuer zu stricken.

War es vielleicht Sabotage? Wenn ja, durch wen? Einen nach Meinung der Nazi-Oberen nicht existierenden Widerstand? Oder vielleicht doch eine ausländische Macht, die zeigen wollte, wie anfällig deutsche Technologie war?

L-8 – Der Geister-Blimp

L-8 war ein Blimp (ein Prallluftschiff ohne festen Rumpf), der eigentlich als Zivilluftschiff gebaut worden war, doch nach Pearl Harbor vermutlich unter dem Namen Rainbow in den Dienst der US Navy übernommen wurde.

Die Aufgabe dieser Schiffe waren Aufklärungsflüge an der Ostküste der USA; im Notfall konnten sie mit einem Maschinengewehr und zwei Wasserbomben auch gegen entdeckte U-Boote vorgehen.

L-8 startete am 16. August 1942 um 6:03 Uhr vom Stützpunkt Treasure Island zu einem Aufklärungsflug. Als Pilot fungierte Lieutenant Ernest DeWitt Cody, als Kopilot Ensign Charles Adams. Der Bordmechaniker, Maschinenmaat James Riley Hill, wurde zurückgelassen, da man wegen der vollgesogenen Hülle Gewicht sparen musste.

Die letzte Meldung der Besatzung erfolgte um 7:42 Uhr, als die Männer einen Ölfleck auf dem Wasser untersuchen wollten. In den nächsten Stunden wurde L-8 noch mehrfach gesehen, wie es scheinbar auf einem Suchkurs durch das Meer vor San Francisco fuhr und dabei auch Rauchgranaten abwarf. Auf Funkrufe reagierte die Besatzung jedoch nicht.

Um 10:20 Uhr entdeckte ein Flugzeug der Pan-Am das Luftschiff, das zuerst anscheinend unkontrolliert durch die Wolkendecke stieg und dann ebenso unkontrolliert wieder absackte.

Um 11:15 Uhr trieb das inzwischen definitiv führerlose Luftschiff am Ocean Beach wieder in Richtung Land. Der Tragkörper wies einen deutlich sichtbaren Knick auf, weil wohl Helium abgelassen worden war, doch ansonsten schien es keinen sichtbaren Schaden zu geben. Das Schiff setzte mitten auf der Bellevue Avenue des Stadtteils Daly City auf, wurde jedoch schwer beschädigt, weil hinzueilende Feuerwehrleute die Hülle des Schiffes aufschnitten, weil sie die Besatzung darin vermuteten.

Eine spätere Untersuchung durch die Marine zeigte, dass sich praktisch die gesamte Ausrüstung und Bewaffnung der Rainbow noch an Bord befand (bis auf eine Wasserbombe, die sich am Ocean Beach bei einem Rettungsversuch gelöst hatte und geborgen wurde). Von der Besatzung fehlte jedoch jede Spur. Die Tür der Kabine stand offen, und auch die Sicherung war nicht eingerastet.

Lieutenant Cody und Ensign Adams wurden nie gefunden.

L-8 machte noch eine Reihe von Aufklärungsflügen, bevor sie 1944 demontiert wurde. In anderen Konfigurationen fuhr das Luftschiff für zivile Zwecke noch bis 1982.

Die Gondel in der Ausrüstungsvariante als L-8 kann heute im National Museum of Naval Aviation in Pensacola, Florida bestaunt werden.

Was könnte den beiden Luftschiffern zugestoßen sein? Sind sie an einem Tag ohne große Wetterkapriolen einfach aus der offenen Kabinentür gestürzt? Warum waren sie nicht gesichert, wie es eigentlich üblich war? Und was haben sie gesucht, während sie scheinbar das Luftschiff noch unter Kontrolle hatten?

Oder ist vielleicht etwas anderes passiert? Wurden sie durch jemanden oder etwas von Bord gezogen? Wenn ja, warum hat niemand anders etwas gesehen?

Andere Ereignisse mit Luftschiffen

Zum Abschluss möchte ich noch kurz auf einige andere Ereignisse eingehen, die im Zusammenhang mit Luftschiffen stehen, die man sicherlich als Hintergrund oder Inspiration für den einen oder anderen Plot nutzen kann:

  • 1926:
    Der norwegische Polarforscher Roald Amundsen überfliegt am 12. Mai mit dem Luftschiff N 1 Norge unter dem Kommando von Umberto Nobile den Nordpol.
  • 1928:
    Der Italiener Umberto Nobile, inzwischen im Rang eines Generals, unternimmt den Versuch, mit dem Luftschiff N 4 Italia am Nordpol zu landen, stürzt dabei jedoch ab.
    Roald Amundsen stirbt beim Versuch, ihn zu finden und zu retten.
    Zwei Besatzungsmitglieder, die sich allein auf den Rückweg gemacht haben, stehen bis heute unter dem Verdacht, ein drittes Besatzungsmitglied gegessen zu haben, als ihnen die Vorräte ausgingen.
    Nobile wird von einem Flugzeug gerettet, das beim zweiten Anflug jedoch ebenfalls havariert.
    Die letzten fünf Überlebenden der Italia und der Pilot Einar Lundborg werden zwei Monate später vom russischen Eisbrecher Krassin gerettet.
  • 1929:
    Der Zeppelin LZ 127 Graf Zeppelin unternimmt eine Weltumrundung zwischen dem 1. August und dem 4. September. Der Start erfolgt in Friedrichshafen, danach fliegt das Schiff nach Lakehurst und wieder zurück, um dann in Richtung Osten die Welt zu umfliegen, über Sibirien, Tokio, San Francisco, Los Angelos und wiederum Lakehurst.
  • 1943:
    Am 8. Juli traf das amerikanische Luftschiff K-74 in den Gewässern vor Kuba auf das deutsche U-Boot U 134.
    Trotz eines gegenteiligen Befehls griff Lieutenant Nelson C. Grills, der Kommandant des Luftschiffs, das deutsche Boot mit dem Maschinengewehr an. Vermutlich konnte er auch eine Wasserbombe einsetzen, die jedoch keinen entscheidenden Schaden anrichtete. Die Flugabwehrkanone des U-Boots hingegen konnte dem Tragkörper von K-74 so großen Schaden zufügen, dass sich das Schiff nicht mehr in der Luft halten konnte.
    Oberleutnant zur See Hans-Günther Brosin, der Kommandant von U 134, brachte sein Boot in Sicherheit, bevor Verstärkung eintraf.
    Alle zehn Besatzungsmitglieder der K-74 überlebten den Absturz. Neun von ihnen konnten am nächsten Tag geborgen werden; nur ein Seemann starb bei einem Haiangriff und ist somit das einzige Opfer feindlicher Truppen unter den amerikanischen Luftschiffern.

Alle Beiträge zum Karneval der Rollenspielblogs Februar 2019
findet ihr übrigens bei Greifenklaue und im Forum von RSP-Blogs.de.

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