Die CCXP ist nicht die neue RPC … schade drum …

Im September kündigten die Köln-Messe und RPC-Organisator Andre Kuschel in einem ersten Artikel an, dass die gute alte Role Play Convention (der Link als Erinnerung an gute alte Zeiten) Teil einer neuen Veranstaltung werden soll, welche die bisherige RPC aufnehmen sollte: die Comic Con Experience oder CCXP, veranstaltet von der brasilianischen Omelete Group.

Erste Verwirrung trat auf, weil der gewählte Termin genau parallel zur Comic Con Germany in Stuttgart gelegt wurde. Warum will sich eine neue Veranstaltung gleich mit einer etablierten Convention messen? Und wo bleibt der Fan, der sich jetzt entscheiden muss?

Alle Fragen sollten schließlich auf einer Presse-Konferenz geklärt werden, die tatsächlich am 7. November stattfand und komplett von DORP-TV übertragen wurde.

Man merkte den brasilianischen Veranstaltern durchaus die Begeisterung für ihr Konzept an, wohingegen Andre Kuschel schwer ins Rudern kam, als man ihn zu einigen bekannten Punkten der RPC befragte (zum Beispiel zu verbilligten Ständen für Klein- und Kleinstanbieter).

Alles schien noch sehr im Fluss zu sein, aber wer nicht gerade an Stars und Sternchen interessiert war, musste sich wohl noch eine Weile gedulden, um zu erfahren, inwieweit sich ein Besuch auf der neuen Veranstaltung lohnte.

Die zeitgleich auf der Website veröffentlichten Konditionen bedeuteten für viele Anbieter sofort das Aus, da sich ein Stand um ein Mehrfaches gegenüber der letzten RPC verteuerte. Ankündigungen, dass sich hier noch was ändern würde, blieben bislang genau das, Ankündigungen.

Seit heute (25. Februar 2019) sind nun die Tickets für die CCXP erhältlich, und auch wenn man ein Tagesticket für Donnerstag oder Freitag „schon“ als Early-Bird für 25 Euro bekommen kann, steigen die Preise bis zur eigentlichen Veranstaltung fast auf das Doppelte. (Wobei nicht verschwiegen verwenden soll, dass es auch Ticketkategorien wie Epic Experience oder Full Experience gibt, die auf Preise bis zu 1.450 € steigen!)

Wer sich näher informieren möchte, auch über das Preisgefüge, dem empfehle ich diesen Artikel auf der Seite Gameswirtschaft.

Was bedeutet das für Rollenspieler, die früher zur RPC gepilgert sind?

In keinem der Statements, von der ersten Meldung über die Pressekonferenz bis hin zu den jetzigen Aussagen der Köln-Messe, ist in irgendeiner Hinsicht eine klare Aussage zu Rollenspielen und ihren Verlagen zu finden. Nur ein kleiner Abschnitt auf der Website, verschämt versteckt auf einer Unterseite, spricht davon, dass man sie auf der CCXP antrifft.

Nun möchte ich nicht so tun, als wäre die RPC die beste Convention seit der Erfindung von geschnittenem Brot gewesen. Trotzdem war sie ein wichtiger Ablaufpunkt der Szene, um sich zu treffen und auszutauschen, vielleicht der wichtigste neben der SPIEL in Essen.

Man bekommt jedoch den Eindruck, dass vieles, was für uns Rollenspieler die RPC ausgemacht hat, auf der CCXP nicht mehr auftaucht. 

Ja, es gibt noch den Mittelaltermarkt, es gibt noch die LARP-Gruppen und Cosplayer … letztendlich also all das, was man als Fotomotiv herzeigen kann. 

Der RPC-Award hingegen ist anscheinend verschwunden, sicher wiederum nicht der Weisheit letzter Schluss, aber trotzdem, jetzt einfach weg. 

Wahrscheinlich werden wir die Großen der Szene trotzdem hier treffen, aber wie es darüber hinaus aussieht, bleibt abzuwarten. Was machen die Kleinverleger, die sich normalerweise hinter ihrer Wagenburg aus Produkten hinstellen und versuchen, Leute für ihre Spiele zu begeistern? Trauen sie sich zu, den nötigen Umsatz zu machen, um wenigstens die Kosten reinzuholen? Viele von ihnen tun dies scheinbar nicht und haben ob des Preises und des sonstigen Aufwands bereits ihre Teilnahme abgesagt, manche öffentlich, manche im privaten Umfeld.

Wir alle sind vom Mittelpunkt einer großen Veranstaltung zu einer ungeliebten, zumindest aber unwichtigen Randerscheinung geworden.

Fahre ich zur CCXP?

Nach reiflicher Überlegung werde ich das nicht tun. 

Nicht aus Prinzip, und auch nicht wegen der Preise allein. Sondern weil mich vieles, was die Convention bietet, einfach nicht interessiert.

Ich denke, dass die Personen, die sich für die CCXP interessieren, einfach andere Dinge wollen als ich. Und auf sie wird man eingehen. Die Schnittmenge zwischen CCXP-Interessenten und den bisherigen Besuchern der RPC wird eventuell nicht allzu groß sein.

Das muss nicht schlecht sein, und vielleicht wird die CCXP zu einer großartigen Veranstaltung … nur nicht für den Rollenspieler, der sich vor allem für sein Hobby interessiert.

Ich bin nicht so missgünstig, den Leuten hinter der Veranstaltung etwas Schlimmes zu wünschen.

Allerdings werde ich mich wohl umorientieren müssen, zusammen mit vielen anderen. Wir sehen uns also auf der NordCon, der FeenCon, der Eulencon oder der SPIEL.

P. S. Wer sich eine Karte für die CCXP besorgen möchte, möge seinen Browser hierhin richten.

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