Sandfox auf hoher See – Die HelgoCon19

Manchmal braucht es einen Zufall für die aufregenden Momente im Leben. Bei einem Gespräch mit Michael von jaegers.net über ein gemeinsames Projekt erzählte ich von meiner Faszination für die Insel Helgoland, worauf er meinte, er plane gerade zusammen mit einigen anderen die erste deutsche Hochsee-Convention, die HelgoCon19 (wenn diese auch damals noch nicht so hieß).
Thema des gemeinsamen Treffens sollte cthulhuides Rollenspiel sein, am besten mit einem Bezug zum Meer.

Nun muss man mir keinen besonderen Anreiz geben, wenn es darum geht, nach Helgoland zu fahren (einen Ort, mit dem mich seit meiner Jugend eine tiefe Faszination verbindet), und mit Cthulhu kriegt man mich auch ganz schnell, also quengelte ich so lange, bis ich den (zu der Zeit) letzten freien Platz bekam.

Und so saß ich mit den restlichen Teilnehmern am 18. Januar 2019 an Bord der MS Helgoland, der einzigen Möglichkeit, im Winter die Insel als Tourist zu erreichen.

Die Besetzung der HelgoCon19

Neben dem bereits erwähnten Michael von jaegers.net hatten sich auch Jens und Sandra vom Ausgespielt-Podcast eingefunden, dazu noch Tim, den man in Hamburg gerne im absolut tollen Spiele-Café Würfel & Zucker trifft, und mit Fabian und Mathias zwei weitere Leute aus dem Umfeld der restlichen Anwesenden. Und dazu noch ich, der sich auf drei Tage Inseldasein freute, immer in der Hoffnung, dass uns die Wetterlage wieder eine glückliche Rückfahrt ermöglichen würde.

Von daher ist die HelgCon19 ein sicherer Anwärter für die wohl kleinste Convention 2019 mit insgesamt sieben Teilnehmern.

Gewohnt haben wir übrigens im Haus Sathurn, einem modernen Ferienhaus für bis zu acht Personen, das wirklich hielt, was Bilder und Werbesprüche ankündigten. Große Empfehlung!

Ein paar Worte zu Helgoland

Deutschlands einzige Hochsee-Insel, früher auch gerne der „Fuselfelsen“ genannt wegen der Möglichkeit, vor Ort ohne Mehrwertsteuer zum Beispiel Alkoholika einzukaufen, hat eine bewegte Geschichte hinter sich (wer interessiert ist, den verweise ich an dieser Stelle auf Wikipedia als Einstieg).

Helgoland ist auch heute noch in den Frühlings- und Sommermonaten oft von Tagestouristen überschwemmt, die vom späten Vormittag bis zum Nachmittag über die Einkaufsstraßen herfallen, doch in den frühen Morgenstunden und am Abend, wenn nur die Einheimischen (die „Hallunder“) und die Dauergäste vor Ort sind, entfaltet Helgoland seinen sperrigen, knorrigen Charme.

Die gerade mal einen Quadratkilometer große Insel ist im vorderen Bereich dicht bebaut, und vor allem im hochgelagerten Oberland kann man sich schnell in den kleinen Gässchen verlieren, die einen dann plötzlich doch noch irgendwo dort ausspeien, wo man ungefähr hinwollte.

Alles hat den Charme eines kleinen norddeutschen Dorfes, wenn dieses auch etwa 50 Kilometer über See vom nächsten Stück Land entfernt liegt. Doch wenn man bei Sonnenaufgang am Rand der Klippen steht und sich den kühlen Wind vom Meer um die Nase wehen lässt, dann möchte ich den sehen, der sich der Faszination dieses Ortes widersetzen kann.


Spielrunden

Wie gesagt, cthulhuides Rollenspiel sollte im Mittelpunkt dieser Veranstaltung stehen, und so kam es zu folgenden Spielrunden:

  • Freitagabend sammelte sich in einer Ecke des Wohnzimmers eine Gruppe von Laundry-Agenten, die sich wie immer eines absurd-grausigen Falls annehmen mussten, während am nahegelegenen Esstisch zwei mutige Plüsch-Recken das Auftauchen des großen Plüschulhu vor der Helgoländer Küste mit den Regeln des Bäronomicon verhindern konnten.
  • Samstagmorgen stürzten wir gemeinsam den bedauernswerten Aushilfspfarrer Hein Godermann der Helgoländer Gemeinde St. Nicolai in sein cthulhuid geprägtes Unglück, in einer Runde des hervorragenden Erzählspiels Lovecraftesque.
  • Den Rest des Tages verbrachten wir als britisch-amerikanischer Einsatztrupp auf einer verlassenen(?) russischen Eisdriftstation im Nordpolarmeer, mit dem Abenteuer Weißer Tod von der 100 Questen Gesellschaft e.V..
  • Der Sonntagmorgen stand im Zeichen einer Bunkerführung, bei der wir den zivilen Luftschutzbunker der Insel besuchen konnten, bedrückendes und zugleich faszinierendes Relikt einer hoffentlich nie wiederkehrenden Zeit, was in der Folge noch zu einigen Diskussionen führte.
  • Quasi als Ausgleich hatten wir am Nachmittag eine der lustigsten Runde des Wochenendes, bei der wir Michael nach den Regeln von Everyone is John als verwirrten Schizophrenen „John“ durch Innsmouth jagen durften.
  • Am Abend durfte ich dann die versammelte Truppe in einer Runde Dockside Dogs (einem meiner erklärten Lieblings-Szenarien für Cthulhu) zur totalen Eskalation führen. Ich hoffe nur, dass von außen niemand hören oder sehen konnte, wie wir uns scheinbar an die Gurgel gingen.
  • Montagmorgen versuchten wir uns dann noch an einer Runde Trail of Cthulhu, die jedoch aus Zeitgründen leider beendet werden musste, da die Abfahrt unseres Schiffes anstand.

Essen

Ein besonderer Dank gebührt an dieser Stelle noch Tim, der als unser Smutje dafür sorgte, dass garantiert niemand verhungern musste und dass meine Blutwerte nach dem Wochenende sicherlich völlig jenseits aller guten und gesunden Werte lagen.

Aber wenn wir schon sterben, warum dann nicht an einem Apfel-Bananen-Crumble mit Vanille-Eis?
😋

Fazit

Das wichtigste Fazit aller Anwesenden war wohl: die HelgoCon20 kann kommen!

Und das ruhig wieder am gleichen Ort zur gleichen Jahreszeit.

Da aufgrund kurzfristiger Terminprobleme letztendlich nur sieben statt acht Leuten mitfahren konnten, wollen wir schauen, dass wir beim nächsten Mal vielleicht in Vollbesetzung auflaufen werden.

Genug Ideen für Helgoland-zentrierte Abenteuer sind auf jeden Fall vorhanden. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Schreibe einen Kommentar