Zug um Zug – London (Rezension)

2004 begann der Siegeszug von Zug um Zug, des Spiels um den Bau von Bahnlinien aus der Feder von Alan R. Moon. Das Grundspiel wurde in Deutschland Spiel des Jahres und heimste auch international eine Reihe von Preisen ein.

Seitdem sind fünf eigenständige Erweiterungen, neun neue Spielpläne für das Grundspiel und mehrere Varianten wie z. B. ein Kartenspiel erschienen.

2018 begann Days of Wonder mit Zug um Zug – New York eine neue Reihe, nämlich die der Städtespiele. Dabei handelt es sich um eigenständige Versionen des Grundspiels mit verkleinertem Spielplan und reduzierter Spieldauer, die nicht mehr ein ganzes Land, sondern nur noch eine Stadt abdecken sollen.

Sind diese eine valide Alternative zum Klassiker selbst?

Regeln

Die Regeln der neuen Variante sind im Grunde genommen die gleichen wie beim Grundspiel:

Die einzelnen Teilnehmer versuchen auf dem Spielplan, der diesmal das Busnetz von London darstellt, bestimmte Strecken mit ihren Bussen (ja, diesmal keine Züge) zu nutzen und so Verbindungen zwischen zwei Orten zu knüpfen, die auf Zielkarten vorgegeben sind (jeder Spieler erhält am Anfang zwei solche Karten, von denen er eine wieder ablegen darf).

Im eigentlichen Spiel muss man dann zwischen drei möglichen Aktionen pro Zug wählen:

  1. Man zieht Transportkarten, auf denen eins von sieben Fahrzeugen zu sehen ist.
    Dabei stehen dem Spieler entweder fünf offenliegende Karten zur Verfügung, oder er kann eine verdeckte Karte vom Zugstapel sein.
    Eine Besonderheit stellen dabei die vielfarbigen Busse dar; wer einen Bus aus den offenliegenden Karten auswählt, darf nur diese eine Karte ziehen.
  2. Man kann eine der farbigen Strecken auf dem Spielplan nutzen, indem man so viele Transportkarten der passenden Farbe ausspielt, wie die Länge der Strecke beträgt, und die einzelnen Felder jeweils mit Kunststoffbussen aus dem eigenen Vorrat besetzt.
    Bus-Karten gelten dabei als Joker, die für jede Farbe stehen können.
    Jede benutzte Strecke bedeutet Siegpunkte, je nach Länge der Strecke, die man sofort erhält.
    Außerdem sorgt diese Aktion hoffentlich dafür, dass man dem Erfüllen einer Zielkarte näher kommt.
  3. Man darf außerdem zwei weitere Zielkarten ziehen, muss davon jedoch mindestens eine behalten, was sich am Ende rächen kann.

Das Spiel endet, sobald einer der Spieler nur noch zwei Busse in seinem Vorrat hat. Jeder Spieler ist danach noch einmal dran, anschließend kommt es zur Wertung.

Für jede erfüllte Zielkarte bekommt der Teilnehmer noch die aufgedruckte Punktzahl. Allerdings bekommt er auch die entsprechende Zahl an Punkten abgezogen, wenn es ihm nicht gelungen ist, die beiden Endpunkte der angegebenen Strecke zu verbinden.

Letztendlich bekommt er noch zwischen 1 und 5 Bonuspunkte, wenn er alle Haltestellen eines Stadtteils miteinander verbunden hat.

Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt das Spiel.

Bewertung

Wie bereits erwähnt, hat Zug um Zug – London fast alle Regeln mit dem Grundspiel gemein.

Neu ist wie so oft eigentlich nur die Regel für die abschließenden Bonuspunkte, und diese hat uns bei unseren Probespielen vor einige Unklarheiten gestellt. Alle Haltestellen verbinden klingt zunächst eindeutig, doch muss es sich um eine in sich geschlossene Wegstrecke innerhalb des Stadtteils handeln oder bekommt man diese Bonuspunkte auch, wenn man sich sozusagen „hintenrum“ aus einem anderen Stadtteil an die Haltestelle anschleicht? Wir haben uns letztendlich nach einigen Diskussionen auf die letztere Variante geeinigt.

Ansonsten lebt Zug um Zug – London wie viele andere Varianten des Grundspiels vor allem von den Besonderheiten des Spielplans, der diesmal – wie schon bei Zug um Zug – New York – sehr klein und eng ist. Das führt dazu, dass die Partie sehr hektisch verläuft, weil ständig die Angst regiert, dass einem ein anderer Spieler die dringend benötigte Strecke wegschnappt.

Ein weiterer Unterschied ist die drastische Beschränkung der vorhandenen Busse, die es bisweilen fast unmöglich erscheinen lässt, mehr als zwei Zielkarten zu erfüllen; wir haben noch nie so selten Zielkarten nachgezogen wie in diesem Spiel.

Aus diesem Grund sind die Stadtspiele auch glücksabhängiger als die größeren Varianten von Zug um Zug, da die richtige (wertvolle) Zielkarte am Anfang dem jeweiligen Spieler einen großen Vorteil gibt.

Präsentation

Die grafische Darstellung des Spielmaterials ist gewohnt gut.

Besonders gefallen haben uns die Transport-Karten, die das auf der Außenseite transportierte Feeling der farbenfrohen „Swinging Sixties“ hervorragend transportieren (wenn dieses auch im Spiel keine wirkliche Rolle spielt).

Auch die Regel (wie schon bei Zug um Zug – New York im Leporello-Format) ist mit seinen vielen Illustrationen und Beispielen sehr gut umgesetzt.

Die kleinen Kunststoffbusse sind dabei ein nettes Gimmick, welches das Thema des Spiels hervorragend unterstützt.

Fazit

Zug um Zug – London ist kein abendfüllendes Spiel, sondern ein leichter Snack für zwischendurch oder eine Möglichkeit, den Abend mal nicht mit einem Karten- oder Würfelspiel einzuleiten oder abzuschließen. Der kleine Spielplan führt zusammen mit dem schnellen, manchmal fast panischen Nutzen der Strecken zu sehr schnellen Partien, die meistens nach einer guten Viertelstunde enden.

Wer noch kein Spiel aus der Familie von Zug um Zug sein eigen nennt, dem würde ich trotzdem dazu raten, sich eine der größeren Varianten zuzulegen, um das Spielprinzip in seiner ganzen Breite und Spieldauer zu erleben.

Ach ja, und wer Zug um Zug generell nicht mag (auch sowas soll es ja geben), der wird auch von Zug um Zug – London nicht eines anderen belehrt werden.

Von daher ganz klar ein Produkt für den Fan, der ein etwas anderes Spielerlebnis mit letztlich bekannten Spielregeln haben möchte.

Produkt-Informationen

Verlag: Days of Wonder (2019)
Autor: Alan R. Moon
Bebilderung: Cyrille Daujean, Julien Delval
Material: 1 Spielplan, 68 Busse, 44 Transport- und 20 Zielkarten, 4 Zählsteine plus Spielregel
Spieleranzahl: 2-4 ab 8 Jahren
Spieldauer: 10-20 Minuten
Preis: ca. 24,00 €
Erscheinungsdatum: Oktober 2019


Zug um Zug – London ist überall im normalen Spielwarenhandel erhältlich.

Hinweis:
Die Rezension erfolgt anhand eines Exemplars des Spiels, das freundlicherweise von Asmodée zur Verfügung gestellt wurde.

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