
Vor vielen Jahren habe ich diese Reihe mit dem Beitrag 2020 – Los geht’s! begonnen, und obwohl dies gerade mal sechs Jahre her ist, fühlt es sich doch um so vieles länger an.
Seitdem habe ich jährlich (wenn auch bisweilen mit ein wenig Verspätung) auf die vergangenen 12 Monate zurückgeblickt, um meine persönlichen Erfahrungen noch einmal Revue passieren zu lassen. Und so entstanden die Beiträge 2020 – Das war’s!, 2021 – Das war’s!, 2022 – Das war’s!, 2023 – Das war’s! und 2024 – Das war’s!
Doch allem Anschein nach gab es mit 2025 – Das war’s! so einige Probleme, oder wie sonst ist es zu erklären, dass dieser bis Oktober des Folgejahres nicht auf meinem Blog erschienen war? Letztendlich haben viele verschiedene Umstände dazu geführt, und jetzt musste ich mir schon selbst die Frage stellen, ob es sich überhaupt noch lohnt, über ein Jahr zu sprechen, das schon so weit zurückliegt.
Tatsächlich habe ich mich entschieden, die einmal begonnene Tradition nicht einfach untergehen zu lassen. Vor allem aber war es mir auch heute noch ein großes Bedürfnis, diesen Text zu schreiben, einfach als Reflexion für mich selbst über ein Jahr, das wie kaum ein anderes wohl den Eindruck erweckt haben muss, dass ich endgültig ins Nirwana der verlorenen Rollenspiel-Autoren entschwunden bin.
Ich könnte dir Sachen erzählen…

- Im Januar traf mich an meinem Geburtstag die große 6, wie man unschwer an dem Schild an meiner Zimmertür erkennen kann.
Ich hätte nicht gedacht, dass mich eine bloße Zahl so treffen könnte, doch da hatte ich mich geirrt. Irgendwie war das dann doch ein Schritt, wo mich der Gedanke getroffen hat, wie schnell ich jetzt wohl zu alt für dieses Leben aus Arbeit einerseits und Schreibprojekten, Conventions und Messen andererseits werde.
Inzwischen glaube ich aber, es ist letztendlich wirklich nur eine Zahl ohne tiefere Bedeutung, doch diese Erkenntnis musste wohl erstmal entstehen und einsickern. - Ansonsten begann das Jahr mit der Suche nach einem Makler, um das von meinem Vater geerbte Haus (siehe 2024 – Das war’s!) möglichst bald los zu werden.
Ein solcher war auch schnell gefunden, mögliche Käufer blieben jedoch erstmal fern, aus Gründen, die ich hier weder ausführen kann noch möchte.
Sagen wir einfach, dass ein Erbe nicht immer das ist, was man sich davon erhofft, und bisweilen mehr Probleme verursacht, als man es sich vorstellen kann. - Auch dieses Jahr musste ich wieder eine ganze Reihe medizinischer Untersuchungen über mich ergehen lassen. Mein weiterhin angeknackstes Immunsystem „erfreute“ mich darauf weiterhin mit der einen oder anderen Krankheit. Und wenn diese nicht zuschlugen, erwischte mich auch gerne mal eine depressive Episode.
Zum Ende des Jahres kam dann der Höhepunkt, als mich völlig unabhängig voneinander, aber nur durch wenige Tage getrennt, eine bakterielle Bronchitis und eine weitere Runde Corona heimsuchten.
Na, vielen Dank auch. - Auf der positiven Seite gab es einige Zirkus-, Musical- und Konzert-Besuche, die das graue Jahr ein wenig auflockerten, vor allem aber auch einen Auftritt beim 1%-Quiz von SAT.1 mit der Chance, 100.000,00€ zu gewinnen (Spoiler: ich habe nicht gewonnen, sondern bin bei 15% – nach zwei blöd verzockten Jokern – ausgeschieden).
Die Sendung ist übrigens immer noch unter dem obenstehenden Link zu finden, die Ausstrahlung fand am 09.04.2026 statt.

Ich bin dann mal weg!
Zwei Urlaubsreisen haben mich zudem ein wenig fremde Luft schnappen lassen.
- Zu meinem Geburtstag im Januar war ich in Lissabon, der Hauptstadt Portugals. Eine seltsame Stadt zwischen Tradition, Moderne und Zerfall, die man erst einmal verstehen muss, um sie zu genießen. Zum Glück ist mir das nach einigen Eingewöhnungsschwierigkeiten gelungen.
Die vielen Berge und Hügel haben einem alten Mann wie mir so einiges abverlangt, und die eng an den Mauern der Häuser entlangdonnernden Wagen der Straßenbahnen haben immer wieder versucht, mich von den schmalen Fußgängerwegen herunter zu fegen. Spannend waren hingegen die Standseilbahnen, die aufrecht die Berge hochfahren.
Insgesamt aber eine faszinierende Stadt mit gutem Essen, einer interessanten Geschichte und vielen Sehenswürdigkeiten.
Einen sehr seltsamen Nachgeschmack hatte die Reise nur nach dem tragischen Seilbahnunglück vom Lissabon, als die Standseilbahn Elevador da Glória, die wir selbst noch benutzt hatten, im September 2025 aufgrund eines beschädigten Seils den Berg hinabraste und 16 Menschen in den Tod riss. - Im Juni 2025 begab ich mich mit meiner Frau nach Étretat an der Küste der Normandie. Die Stadt, die dem einen oder anderen wegen ihres Auftauchens in der Netflix-Serie Lupin bekannt vorkommen könnte, hat kaum mehr als 1.100 Einwohner, wird aber in den Sommermonaten von Touristen quasi überrannt.
Ich habe für diese Reise meine seit langem korrodierten Französisch-Kenntnisse ein wenig entrostet und neu eingeölt, aber es dauerte doch fast eine Woche, bis ich in der Lage war, mich wieder einigermaßen verständlich zu machen. Angenehm war jedoch, dass – anders als bei früheren Frankreich-Besuchen – die Menschen vor Ort durchaus bereit waren, uns zu verstehen und die eine oder andere sprachliche Lücke mit Englisch oder bisweilen sogar Deutsch zu schließen.
Auch diesmal haben wir wieder eine hervorragende lokale Küche kennengelernt, ergänzt um Calvados und Cidre.
Bedrückend waren lediglich die Überreste des ehemaligen deutschen Westwalls, auf die man immer wieder stieß, und die auf unverständliche Weise idyllischen Strände, auf denen 1944 Tausende von Soldaten beim D-Day, der Invasion des von Nazis besetzten Europa, ihr Leben ließen. Eine gruselige Vorstellung …

Conventions im Jahr 2025
Neben den größeren Reisen gab es aber auch 2025 die kleinen Urlaube vom Alltag, oder wie auch immer man die kleinen Ausflüge in das Nerdtum, die Fahrten zu verschiedenen Conventions, nennen möchte. In den meisten Fällen war ich mit meinen Freundinnen Sylvia und Ulrike von der Redaktion Phantastik unterwegs, und diese Aufenthalte an den verschiedensten Orten waren fast die einzige Möglichkeit, festzustellen, dass ich meine Tätigkeit im Rollenspiel-Kosmos noch nicht aufgegeben hatte.
- Zu Anfang gelang es mir zum ersten Mal, die von mir mitorganisierte Fin-de-Siècle-Convention vom 28. bis 30. März in Schermbeck zu besuchen. Dort habe ich zwar weniger gespielt und geleitet als erwartet und geplant, aber trotzdem hat es Spaß gemacht, mich in diese besondere Epoche zu begeben.
Im Kopf geblieben ist mir aber vor allem der plötzliche Feueralarm in der Nacht, bei dem wir zunächst recht hilflos herumstanden, in der Erwartung, dass die Feuermelder einer solchen Einrichtung mit der nächsten Wache verbunden waren. Waren sie aber nicht, und so mussten wir die armen Leute hinter der 112 mitten in der Nacht herausklingeln, nur um dann festzustellen, dass es sich um einen Fehlalarm gehandelt hatte. Auf der anderen Seite, nochmal Glück gehabt. - Die EulenCon des Uhrwerk-Verlags fand zum zweiten Mal am 10. und 11. Mai in Köln statt, für uns allerdings mit wechselndem Standpersonal, da private Termine eine durchgehende Besetzung unmöglich machten.
Schade war auf jeden Fall, dass die Veranstaltung so erfolgreich geworden war, dass der Spieltisch direkt vor dem Stand, wie wir ihn 2024 noch hatten, nicht mehr möglich war. - Auf der NordCon im Juni schaffte ich es endlich, Spieler für eine Seelenfänger-Runde zu finden, und auch ansonsten war es wieder eine rundum gelungene und angenehme Veranstaltung.
Nur unser Hotel vom Vorjahr, das direkt um die Ecke liegende Gasthaus Pampilo, war dieses Jahr leider besetzt, sodass wir erneut auf das weiter entfernt liegende Hotel zur Windmühle ausweichen mussten, dessen WLAN sich als tückisch und wenig zuverlässig herausstellte. - Die cthulhuide anRUFung der Deutschen Lovecraft-Gesellschaft verschönerte mir den Juli, und bis auf ein Live-Rollenspiel, bei dem ich mit einem Charakter versehen war, der es mir schwer machte, ins Spiel zu finden, war die Veranstaltung wieder ein voller Erfolg. Besonders gut gelang mir – unterstützt von einigen gradiosen Spielenden – das Abenteuer Auf Sendung (hier im Original), das in einem Radiosender spielte und bei dem ich endlich mal wieder Musik als passende Untermalung einsetzen konnte.
- Die RatCon war ebenfalls sehr angenehm, vor allem, da ich mich für meine Runde Finsterland weigerte, an einem der Außentische gargekocht zu werden.
Als persönliches Highlight durfte ich bei einer herrlich chaotischen Live-Runde Das Monster aus der Spätvorstellung mitspielen (unter anderem als Zombie und Einhorn). Das Ergebnis ist immer noch hier zu finden. - Die SPIEL ’25 war dann ein Abschied in doppelter Hinsicht.
Zum einen zog ich mich … nun ja, man muss wohl sagen, aufgrund kreativer Differenzen aus der Redaktion der Spielerei zurück, für die ich 25 Jahre lang Rezension und Artikel verfasst habe.
Zum anderen war diese Veranstaltung (auch wenn wir das zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten) der Abschied der Redaktion Phantastik von der SPIEL, denn die ständig steigenden Kosten sorgen inzwischen dafür, dass sich ein Stand dort kaum noch lohnt, aber viele Kräfte bindet und verbraucht.
Zwei bedauerliche Entwicklungen, deren weitere Folgen ich auch jetzt noch nicht absehen kann. - Trotzdem reisten wir frohen Mutes zum traditionellen Abschluss des Convention-Jahres auf der DreieichCon, wobei wir diesmal die Bahnschranke vermieden, die uns im vergangenen Jahr mehr als 45 Minuten(!) aufgehalten hatte.
Auf der eigentlichen Veranstaltung durfte ich zum ersten Mal einen Vortrag halten, bei dem ich den Anwesenden erklären durfte, wie sie im Rollenspiel gruselig werden.
Ansonsten gab es wieder eine Runde Seelenfänger, zu der ich aber eine gefühlte Wanderschaft von einigen Kilometern zu einem weit draußen liegenden „Satellitengebäude“ der Veranstaltung auf mich nehmen musste. Auf jeden Fall hatte ich mir so das traditionelle Abendessen in der Casa Grande richtig verdient.

Das Jahr 2025 in Projektform
2025 war insofern ein besonderes Jahr, als dass ich zum ersten Mal in der Geschichte dieser Artikel nichts an fertigen Projekten aufweisen konnte, bis auf einige wenige öffentliche Auftritte.
- Ich schaffte nur zwei Folgen in meiner Podcast-Reihe Sandfox wichtelt (na ja, eigentlich nur eine, die zweite erschien am 6. Januar 2026).
- Unser Podcast Gedankenspiele – Räuberpistolen, Seemannsgarn und wahre Geschichte(n) von Michael, Jens und mir schaffte es auch nur auf zwei Ausgaben, wenn auch mehr aufgenommen wurde, was aber dann im Schnitt hängengeblieben ist.
- Im März durfte ich bei 3P (inzwischen Nihil Rollenspiel) im March for Kids etwas über das geplante Abenteuerspielbuch Kuschelhelden berichten, einer Art Kinderversion des Bäronomicon, das ich unter anderem zusammen mit meiner Tochter schreiben wollte.
Das ganze Gespräch findest du hier.
Leider mussten wir im Nachgang feststellen, dass jemand anders sich die Wortmarke Kuschelhelden gesichert hatte, und wir arbeiten jetzt gedanklich und inhaltlich daran, das ganze Projekt auf einen neuen Namen umzustellen (sobald wir beide die Zeit dazu finden). - Im April und Mai durfte ich bei Lurch und Lama eine Runde Private Eye leiten, genauer gesagt Ein ungewöhnliches Geschenk, unseren Abenteuer-Flyer zu den Gratis-Rollenspiel-Tagen 2025.
Das in Teil 1 und Teil 2 aufgeteilte Let’s Play ist weiterhin auf YouTube zu finden. - Ansonsten gibt es tatsächlich nicht viel zu melden, denn auch wenn ich mich im Hintergrund mit einer ganzen Reihe von Projekten beschäftigt habe, sind diese noch nicht erschienen, sondern werden mir erst in den folgenden Jahren Ruhm und Ehre einbringen … na gut, oder wenigstens die eine oder andere Veröffentlichung.

Gehen wir vorwärts, Richtung Zukunft!
2025 war für mich ein Jahr des Übergangs, das viele Probleme aufwarf, in dem viele Dinge auf den Prüfstand kamen, in dem sich aber auch neue Perspektiven und Möglichkeiten ergaben.
Bei einigen Projekten wurde mir klar, dass hier noch einiges an Arbeit auf mich zukommt, weil sie entweder nicht ausgereift genug waren oder sich grundsätzliche Probleme ergeben hatten. Konnten bestimmte Handlungselemente, die ich bislang für unproblematisch gehalten hatte, möglicherweise von anderen Personen als problematisch angesehen werden? Ergaben bestimmte Annahmen bei Settings oder Regeln irgendeinen Sinn, oder musste ich eventuell zurück ans Reißbrett für ein grundlegendes Redesign? Waren einige Ideen gut genug, um sie auf die Öffentlichkeit loszulassen? Oder war ich einfach zu nervös und verunsichert?
Was wird aus dem Podcast Sandkastenspiele werden? Wie soll es mit dem Plüschtier-Rollenspiel Bäronomicon und dem wilhelminisch geprägten Seiner Majestät Ætherschiff weitergehen? Hat meine Dieselpunk-Endzeitwelt Dämmerlande noch eine Zukunft?
Fragen über Fragen, die ich nach diesem Jahr nicht beantworten konnte und die teilweise auch jetzt noch in der Schwebe sind. Normalerweise entlasse ich dich aus diesen Beiträge gerne mit einem positiven Ausblick auf die Zukunft, mit einer Hoffnung oder positiven Erwartungen, die ich mit dem kommenden Jahr verbinde, doch da ich dieses bereits größtenteils durchlebt habe, kann ich nur sagen, dass es zumindest teilweise eher schlimmer als besser geworden ist. Warten wir also ab, wie sich 2026 bis zum Ende vielleicht noch entwickelt.
In diesem Sinne, wie immer und jetzt gerade, auf ein am Ende doch irgendwie positives Jahr 2026!
Foto des chaotischen Arbeitszimmers von Jametlene Reskp auf Unsplash